Tag 07: In der Stadt namens «Schwarzes Öl»

25. Juni 2011

Die Diaschau:

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Auf unserer Reise treffen wir heute Mittag in der Erdölstadt Karamay ein. Aus unserer kleinen, gut harmonierenden Gruppe ist inzwischen eine 300-köpfige Gesellschaft geworden – die nächsten Tage werden wohl nicht mehr ganz so sein wie die Vergangenen. Aber was soll’s…

Hier ist es ziemlich heiss, wahrscheinlich um die 35 Grad. Dieses Uigurien ist eine extreme Region – im Winter soll es ebensoviele Grad unter null sein.

Letzte Nacht haben wir erstmals mehr als drei oder vier Stunden schlafen können, da es glücklicherweise kein Abendprogramm gegeben hat.

Urumqi, die Hauptstadt der Autonomen Uigurischen Provinz Xinjang, ist gemäss dem «Baedecker», meinem 2009 erschienenen Reiseführer, gerade mal eine von über 600 Seiten wert. Sie wird als Boomtown von Westchina bezeichnet und gilt als diejenige asiatische Stadt, die am weitesten von einem Meer entfernt ist.

Als Fremden fällt einem auf dem Weg vom recht grossen Flughafen (schätzungsweise in der Kategorie Kloten) als Erstes auf, dass die Wegweiser an der Autobahn dreisprachig beschrieben sind: Arabisch, Chinesisch und Englisch. Mit dem Arabischen hat es, wie unser Guide Omarjan in wiederum gutem Deutsch erklärt, folgendes aus sich: Die Sprache der Uiguren, die in ihrer eigenen Region mittlerweile in der Unterzahl sind und nur noch 45 Prozent der Bevölkerung ausmachen, ist Türkisch, geschrieben aber wird sie mit arabischen Zeichen. Von Texten, die in arabischer Sprache geschrieben sind, versteht unser Guide etwa einen Drittel.

Von der Stadt selbst habe ich ausser dem Zentrum noch nicht viel gesehen. Doch dieses Zentrum hat es in sich. Moderne Wolkenkratzer umgeben die eine Hälfte des Volksplatzes, an dem das Hotel Hoi Tak liegt, normale Stadtbauten die dritte und das Volkshaus (der Sitz der kommunistischen Partei) die vierte Seite.

Gestern Abend war der Volksplatz von Skateboardern bevölkert, heute Morgen sind es vorwiegend ältere Leute, die über den ganzen Platz verteilt Fitnessübungen machen meist in Gruppen und mit Musikbegleitung aus einem Minilautsprecher, aber auch einzlne Menschen, die Freiübungen machen.

So weit erste Eindrücke von Urumqi. Wir kommen ja hierher zurück.

Im Bus Nummer eins geht’s um 8:45 Uhr auf die Fahrt ins 385 km entfernte Karamay, sie soll etwa vier Stunden dauern. Nach gut eineinhalb Stunden wird nach zwei erfolglosen Versuchen an einer Tankstelle für einen Pipihalt angehalten. Nachdem unser Konvoi sechs Busse umfasst, muss das Tankstellen-WC (sofern es überhaupt ein solches gab) hoffnungslos überlaufen gewesen sein die Männer stellen sich an die Gebäudemauer, Frauen schlagen sich in ein Gebüsch.

Um 13:15 Uhr treffen wir in der Erdölstadt Karamay ein auf den ersten Blick erkennt man, dass es sich um einen wohlhabenden Ort handeln muss: Grosse, moderne Verwaltungsgebäude, gepflegte Parks, eine kurze Hängebrücke unmittelbar vor unserem sich ebenfalls gut präsentierenden Hotel.

Nach einem chinesischen Mittagsbuffet und kurzer Rast steht eine Präsentation von Karamay auf dem Programm. Wir werden in einen topmodernen Konferenzsaal geführt und hören uns je eine Rede des Tourismusdirektors und des Stadtpräsidenten an, welche die Vorzüge Karamays als Touristenziel hervorheben. Vorerst dazu nur so viel: Gegründet wurde der Ort 1958, nachdem hier 1955 zum ersten Mal Erdöl gefunden wurde. Und: Karmay heisst «schwarzes Öl».

Zum Schluss des Events hat Christian Burckhardt einen für uns überraschenden grossen Auftritt: Zusammen mit einer chinesischen Dame und einigen andern Personen wird er aufs Podium geführt, setzt sich an den langen Tisch, unterzeichnet ein Dokument, tauscht es mit der Chinesin aus und schüttelt ihr im Blitzlichtgewitter der Fotografen und dem Surren zahlreicher TV-Kameras die Hand. Abgeschlossen wird die Zeremonie mit einem Toast und dem Gruppenfoto zusammen mit den Honorationen von Karamay. Was Christian unterzeichnet hat, wissen wir bis zur Stunde nicht…

Während eines Spaziergangs durch den Central Park natürlich hinter dem Fähnchen «A1» besichtigen wir eine Sammlung wertvoller und rarer Steine, eine Halle mit Plänen und Entwicklungsdetails der Stadt sowie eine Ausstellung, in der prächtige aus Wurzeln geschaffene Kunstwerke präsentiert werden.

Das Dinner in einem sehr grossen Saal schmeckt gut, mit den Leckerbissen, die uns im Silk Road Hotel serviert worden sind, kann es aber nicht mithalten. Abends um halb zehn findet soll die Eröffnungszeremonie des 7. Internationalen Tourismusfestivals von Karamay stattfinden. Dafür ist vor dem riesengrossen Regierungsgebäude eigens eine riesige Bühne erstellt worden. Wir werden durch das Gebäude auf den Platz des bevorstehenden Geschens geführt und betreten den Zuschauerraum von der Bühne her. Hunderte in Rot und Weiss gekleidete Kinder und Erwachsene empfangen uns mit grossem Beifall.

Die Zeremonie beginnt um zehn Uhr mit einigen Ansprachen die wichtigste davon muss jene des Parteisekretärs in der Tourismusadministration gewesen sein. 35 Minuten später gehört die Bühne dann drei Moderatoren, welche auf Uigurisch, Chinesisch und Englisch durch das Programm führen. Gesang und hochstehende akrobatische Vorführungen werden vom Publikum ein paar Tausend scharen sich stehend um die offiziellen Gäste, für die Sessel und Plasticstühle bereit stehen freundlich applaudiert.

Kurz vor Vorstellungsschluss bewegt uns eine der vielen Betreuerinnen zur Rückkehr ins Hotel, sprich einem Spaziergang durch den Central Park. Bei angenehmen Temperaturen halten sich trotz der späten Stunde noch sehr viele Menschen auf, schliesslich ist es ja Samstagabend…

Christian und ich freuen uns auf einen Schlummerbecher und drücken im Hotellift die Zwei. Da ist so etwas wie eine Reception, wir fragen nach der Bar, verstanden werden wir nicht. Per Zeichensprache werden wir in den vierten Stock verwiesen. Dort sieht es gut aus… Die hübsch gekleideten Serviererinnen verstehen uns auch, doch ein herbeigerufener junger Mann in Schwarz nimmt sich unser an und führt uns in einen Karaokeraum. Wir lachen uns ein Loch in den Bauch. Das brauchen wir denn doch nicht. Also hoch in den 12. Stock, retten kann uns nun nur noch der Zimmer-Kühlschrank. Aber der ist leer und darum bleiben unsere Kehlen und dieser Blog trocken.

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