Tag 12: 150 m unter dem Meeresspiegel

30. Juni 2011

Die Diaschau:

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Um 7 Uhr holt uns der automatisierte Weckruf aus dem Schlaf. Eine Stunde später starten wir zum ersten Ausflug in der Region Urumqi, der zugleich unser Letzter in Xinjiang und auf der Seidenstrasse sein wird.

Omarjan, unser Reiseführer, hat in den vergangenen Tagen immer wieder gesagt: «Wartet ab, bis Ihr Turpan gesehen habt!» Also gut, nehmen wir die 200 km dorthin unter die Räder… Die Oasenstadt an der nördlichen Route der Seidenstrasse befindet sich in der gleichnamigen Senke, die an ihrer tiefsten Stelle 154,50 m unter dem Meeresspiegel liegt und damit nach dem Toten Meer die zweittiefste Senke der Erde ist.

Der Brennende Berg ist eine der Top-Attraktionen Turpans eindrucksvoll zwar, aber von einer Anlage mit Kulturgalerie und einer Hall of Fame der wichtigsten Seidenstrasse-Erforscher aus zu besichtigen, die mit Frauen in Trachten, Männern mit schrecklichen Masken und Kamelritten den Touristen das Geld aus der Tasche ziehen soll. Originell ist das Riesenthermometer, das bei unserer Ankunft 35 Grad anzeigt.

Nächster Programmpunkt ist das Grape Valley, 8 km lang und bis 2 km breit, 26 km2 gross. Hier werden seit mehr als 2000 Jahren Reben beinahe 100 Sorten! und Maulbeerbäume angepflanzt. Die Dorfbevölkerung bietet an Marktständen Rosinen und andere getrocknete Früchte an. Die Guides führen uns in ein Areal, das als Vergnügungspark bezeichnet wird. Es gibt lokale Weine zu degustieren, traditionellen Tanzaufführungen (mit Einbezug des Publikums) beizuwohnen und die Ortsältesten zu bestaunen. Sie lächeln ziemlich teilnahmslos in die vielen Objektive.

Der Rebbau wird hier zu einem grossen Teil zur Herstellung von Rosinen genutzt. Die Gegend ist deshalb von den vielen Häusern mit den löchrigen Ziegelwänden geprägt, in welchen die Trauben getrocknet werden.

Interessant ist die erste Führung des Nachmittags. In angenehm kühler Umgebung erklärt Omarjan das hier seit mehr als 2000 Jahren praktizierte «Karez», ein unterirdisches Bewässerungssystem. Es besteht aus senkrechten Schächten und 1.50 bis 2 m hohen Tunnels, durch welches Schmelz- und Grundwasser geschützt in die Oase geführt wird. Die Zahl der Kanäle nimmt wegen des sinkenden Grundwasserspiegels ständig ab. 1957 gab es deren 1237, 2003 noch 404 und 2009 waren es noch 246. Ihre Länge variiert zwischen 15 Metern und 11 Kilometern.

Nach der Kühle die Hitze. Die Sonne brennt gnadenlos auf die Ruinen der antiken Stadt Jiaohe und ihre Beuscher nieder Kopfbedeckung oder ein Schirm sind sind dringend zu empfehlen. Die Stadt, in der die Überreste ehemalige Privat- und Verwaltungsgebäude sowie Klöster zu sehen sind, hat von 108 v. Chr. bis Mitte des 7. Jh. im Westen Chinas eine bedeutende Rolle gespielt und in ihrer Blütezeit bis zu 20’000 Menschen gezählt.

Auf der wiederum 2½-stündigen Rückfahrt bestätigt sich, dass die Region Urumqi boomt. Entlang der Autobahn sind etliche Windkraftwerke mit Hunderten von Windrädern auszumachen. Ausserdem liegt eine grosse Anzahl Masten zur Montage weiterer Windräder bereit. Und etwas weiter entfernt schneidet sich die im Entstehen befindliche Eisenbahnstrecke der künftigen Hochgeschwindigkeitsverbindung in die Abhänge des umliegenden Bergzuges ein.

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